Diana Vickers
»Songs from the tainted Cherry Tree«

01.07.2010 von Alexander Möllmann
Die britische Talent-Show "The X-Factor" als Sprungbrett von Diana Vickers zu bezeichnen, wäre alles, nur nicht übertrieben. Nur eine Woche nach der Veröffentlichung ihres Debut-Albums "Songs from the tainted Cherry Tree" fand sich die blonde Schönheit von der Insel an der Spitze der Charts wieder. Ihre Single "Once" läuft in den Radiosendern rauf und runter, der Erfolg scheint perfekt. Das vergangene Jahr habe ihre wildesten Träume bei weitem übertroffen, erzählt sie in einem Interview.
Was währenddessen niemand sieht, ist die riesige Marketing-Maschinerie, die sich hinter Vickers zusammensetzt und ihr das makellose Image des zurzeit beliebten "New-Brit-Girl" verpasst. Ganz wie ihre Kolleginnen Ellie Goulding, Marina and the Diamonds, Florence + the Machine und noch einige andere, singt sie hitverdächtige Pop-Balladen mit einer ordentlichen Portion Indie- und Elektro-Einflüssen.
Für das Erstlingswerk holte man sich prominenten Beistand ins Boot: Cathy Dennis, die vor allem mit Kylie Minogues Hit "Can't get you out of my head" berühmt wurde; und Eg White, der sich für Songs wie "Warwick Avenue" von Duffy oder "Chasing Pavements" von Adele verantwortlich zeigt. Den Sound maßgeblich geprägt hat jedoch Songwriter und Produzent Guy Sigsworth, der viele Jahre lang die Alben von Björk produzierte, die mit dem Song "Hit" auch als Co-Writer vertreten ist. Sigsworth Handschrift wird besonders deutlich bei Songs wie "Remake me and You" oder "Jumping into Rivers". Vereinzelt lässt der Songwriter Reminiszenzen an "Flavors of Entanglement" von Alanis Morissette aufkommen, bei dem er selbst als Produzent und Komponist tätig war.
Auf diese Weise schleichen sich jedoch Fehler ein: Was 2008 neu und frisch wirkte, kommt 2010 daher, wie schon mal da gewesen. Die Up-Tempo Nummern (ungefähr 80% des Albums) wirken abgenutzt. Die erste Single-Auskopplung "Once" ist flüchtiger Power-Pop, der nicht so recht überzeugen kann. Die Melodien sind zu banal und die Texte zu flach. Nur selten gehen Songs in die Tiefe und sind fähig, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. "The Boy who murdered Love" ist das beste Beispiel dafür. So poetisch der Titel klingt, so banal gestaltet sich der Song auf lyrischer Ebene: "You’re the boy who murdered love / cold hands and a heart of stone / you’re a Midas in reverse / you’re the king of pain and hurt" Diese gestelzte Larmoyanz macht es unmöglich, Songs wie diesen ernst zu nehmen.
Ein Highlight des Longplayers ist "Put it back together", die von Nerina Pallot geschriebene Ballade wartet mit einer interessanten Melodie auf und schafft Freiräume für Vickers Stimme, die nur bei diesem Song ihr volles Potential entfaltet. Ähnlich gut präsentiert sich das folkig angehauchte "Me and You", wenngleich auch hier nur die Musik gelungen ist. Bei der Aufnahme von "My Hip" kann man Vickers Trompete spielen hören, sofern diese nicht in einem Teppich aus Synthie Drums und E-Gitarren Riffs untergeht.
"Für die Leute vom Label war es von Anfang sehr wichtig, dass ich meine Texte selbst schreibe, dass ich mehr als nur ein Instrument spiele und dass ich eine Platte mache, wie nur ich sie machen kann", erklärte Vickers in einer Radiosendung. Das Plattenlabel RCA aus dem Hause Sony lies ihr zwar freie Hand bei einigen Texten, dennoch stand im Vordergrund eindeutig der Profit, den die grade mal 18-jährige Sängerin versprach.
Dem Hörer wird schnell klar, dass hinter dem Album keine Aussage steht und die vielen Köche letztendlich den Brei verderben. Vickers schafft es nicht die Songs zu einem ganzen zusammenzufügen, so bleiben am Ende bruchstückhafte Fragmente zurück, die für sich gesehen ein netter, kurzweiliger Zeitvertreib sind, aber als Album nicht überzeugen. Das Sprungbrett der Castingshow hat sie wahrgenommen, doch leider war dieses ein 1-Meter Turm.



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