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Natalie Merchant in Köln

14.05.2010 von Alexander Möllmann

Die amerikanische Singer-Songwriterin Natalie Merchant gab mit charismatischem Witz in der ausverkauften Kölner Kulturkirche ein charmantes Doppelkonzert. Neben der Vorstellung ihres neuen Albums, sang sie auch alte Songs und erinnerte so an vergangene Tage.

Foto: Sebastian Krull

Die Bänke der kleinen Kirche in Köln-Nippes waren bis auf den letzten Platz besetzt. Hinter den Reihen standen die Menschen dicht gedrängt und im Mittelgang saßen die Leute auf dem Boden. Um Brandschutzbestimmungen schien sich an diesem Abend in der vollkommen überfüllten Kirche niemand zu kümmern.

Mit leichter Verspätung betrat der Gemeindepfarrer die Bühne und kündigte ein intimes, zweistündiges Konzert an. Bei der Gelegenheit lud er mit einem Augenzwinkern auch gleichzeitig zu einigen kostenlosen Veranstaltungen an den kommenden Sonntagen ein.  Unter Beifall betrat die etwas zurückhaltend gekleidete Natalie Merchant die Bühne. Das letzte Konzert der Amerikanerin mit italienischen Wurzeln liegt mehr als zehn Jahre zurück. Sang sie damals nur eigene Songs, trug sie an diesem Abend vertonte Gedichte vor, die sich mit dem Thema Kindheit auseinandersetzen. Den Rahmen bildete eine Dia-Show, die vor jedem Song einen kurzen Abriss über das Gedicht und dessen Autor gab. Neben spontanen Tanzeinlagen, sorgten vor allem witzige Bemerkungen und Anekdoten für eine warme Atmosphäre zwischen der Sängerin und dem Publikum.

Nach kurzen, einleitenden Worten und einer kleinen Demonstration ihrer Deutschkenntnisse eröffnete sie den Abend mit einer schwermütigen Interpretation von "Vain and Careless". Das Konzert, welches sich trotz der knapp 600 Besucher als überraschend intim herausstellte, wurde von puristisch arrangierten Songs getragen. Merchant ließ sich an diesem Abend von den zwei Gitarristen Gabriel Gordon und Erik Della Penna begleiten. Gelegentlich sorgte die Cellistin Mary Wooten für Highlights und wohlige Rückenschauer mit pointiert gesetzten Akzenten. Besonders Della Penna glänzte an diesem Abend mit seinem raffinierten Gitarrenspiel, wenn er seine Finger über die Saiten des Instruments jagte.

Die Songauswahl teilte das Konzert in zwei Hälften: Der erste Teil trug deutlich leichtere und fröhlichere Züge, während in der zweiten Hälfte ruhige, und nachdenkliche Stücke dominierten. Dabei stellte sich die hervorragende Akustik der Kulturkirche als ideal für Merchants füllende Stimme heraus. Eindeutige Highlights des Abends waren das bluesige "Janitor's Boy" und das virtuos vorgetragene "Indian Names", dem eine a-cappella Version eines Songs vorweg ging, dessen Text in einer Sprache der amerikanischen Ureinwohner geschrieben wurde.

Die Vorstellung ihres neuen Albums "Leave your Sleep" endete anderthalb Stunden nach Beginn mit dem sehnsüchtig klingenden "Land of Nod". Die folgenden drei Zugaben konnten als ein eigenes Konzert gesehen werden, in dem Merchant über eine Stunde lang ältere Songs und Cover vortrug. Der Ankündigung, sie singe jetzt Songs, die sie weder genau kenne, noch geprobt habe, folgte ein charmantes Set von Improvisationen mit allem was dazu gehört: Verpasste Einsätze, Textaussetzer und falsche Melodien. Die Gänsehaut-Stimmung stellte sich spätestens bei Bob Marleys "Redemption Song" ein, den sie zusammen mit einem Gitarristen unplugged sang – für zwei Minuten schien jeder der 600 Besucher den Atem anzuhalten, bis schließlich die gesamte Kirche zusammen mit Merchant "Won't you help to sing these songs of freedom" anstimmte. Mit Liedern wie "Kind and Generous", "Carnival" und dem vom Publikum vehement geforderten "Motherland" erinnerte sie an die frühe Zeit ihrer Solokarriere und fühlte sich dabei sichtlich wohl.

Merchant bot an diesem Abend mehr als ein zweieinhalb stündiges Konzert, sie bot charismatische Unterhaltung mit authentischen Songs, die sie zusammen mit drei großartigen Musikern vortrug. Umso überraschter war man, als bereits nach der ersten Zugabe einige Besucher die Kirche bereits verließen. So verpassten sie schließlich eine Zucker-Version von Leonard Cohens All-Time-Favourite "Hallelujah". Die holprigen Zugaben reduzierten Merchant von der großen perfektionistischen Künstlerin, die sie auf ihren Alben verkörpert, auf etwas Nahbares und Menschliches. Kurz: auf etwas Sympathisches; was maßgeblich zu dem grandiosen Abend beitrug.

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