Nicht billig, sondern peinlich
21.05.2011 von Alexander Möllmann
Was hat die Festspielleitung von Cannes eigentlich erwartet, als sie Lars von Trier eingeladen hat? Einen Regisseur, dessen Filme selten Jugendfreigabe bekommen, weil sich meistens irgendjemand seine Genitalien verstümmelt und wenn nicht, dann zumindest offensichtlich daran rumfummelt. Und jetzt auch das noch: Von Trier sagt auf einer Pressekonferenz, er sei ein Nazi und könne Hitler verstehen. Jetzt ist natürlich Polen offen und die Aufregung groß – Von Trier wurde noch am selben Abend zu einer unerwünschten Person auf dem Filmfestival erklärt; und warum das alles? Weil mal wieder jemand das böse H-Wort gesagt hat.
Dabei hätte es so schön werden können. Eigentlich war der dänische Regisseur in Cannes, um über seinen neuen Film „Melancholia“ zu erzählen. Dann kam er während eines Interviews vom Judentum auf die Nazis und bekannte sich dann letztendlich dazu, selber einer zu sein, weil er durch seine Eltern deutsche Wurzeln hat. Außerdem gefalle ihm die Architektur Albert Speers: „Speer war eins von Gottes besten Kindern.“ Sowohl für die Provokation, als auch die Aufregung hinterher gib es nur ein Wort: billig.
Es war vielleicht unüberlegt von Von Trier, so flappsig über Hitler, dessen Zeit im Bunker und die Judenverfolgen zu plappern. Aber jeder Mensch, der halbwegs klar bei Verstand ist, sollte merken, dass der Regisseur mal wieder nur eins wollte und zwar provozieren. Dass man ihn jetzt von den Festspielen ausgeschlossen hat, zeigt nur, dass die Gesellschaft immer noch schlecht mit der Vergangenheit umgehen kann. Am besten ist bei dem Thema Nazis immer noch eine Lösung: totschweigen. Wenn niemand drüber spricht, ist auch nichts passiert und wir vergessen den ganzen Vorfall am besten.
Jetzt kommt alle paar Jahre ein Künstler daher, sagt, er sei ein Nazi, macht den Hitlergruß oder ähnliches und wird dafür sofort ins Exil gejagt. Ironie gibt es bei diesem Thema nicht. Warum auch? Man könnte sich ja ernsthaft damit auseinandersetzen. Es ist klar, dass man angesichts seiner Taten wenig Mitleid für Hitler haben kann, doch ein komplettes Sprechverbot in der Öffentlichkeit ist wohl kaum der richtige Weg.
Der eigentliche Skandal an dem Abend war der Umgang der Festspielleitung mit der Vergangenheit. Der war nämlich nicht billig, sondern peinlich.




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